Klaus Eberhartinger EAV-Frontmann und Wahl-Afrikaner

Der Humor der Ersten Allgemeinen Verunsicherung war nie jedermanns Sache. Ich fuhr zu jeder Zeit voll darauf ab.

Bitterböse Reime hatte die Comedytruppe zu bieten. Das klang doch so herrlich locker, wenn es wie bei ‚Burli’ um eine behindertes Kind nach einem Atomunfall ging. Es konnten auch nur Österreicher ein Lied über einen Triebtäter schreiben, der den Damen an die Hälse wollte, um sie zu erdrosseln. Und so reimte es sich in ‚Der Würger’ folgendermaßen:

 

Es ist ein leichtes Mädchen die Gewerbe-Burgl

Er sieht im fahlen Mondlicht ihre herbe Gurgel

Er sagt zur Burgel: „Bitte, lass mich an deinen Hals

Was immer es auch kostet, ich bezahl’s.“

Das sagt die Burgel: „leider, heut geht nichts mit würgen.

Ich muss noch zu an Kunden

Vielleicht probierst es mürgen.“

Die EAV legten den Finger ans Zwerchfell und in die Wunde bei nahezu allen zwischenmenschlichen Schwächen. Und wo die Schlagerfreunde immer leutselig und platt die Freundschaft beträllerten, sangen die bösen Buben aus der Alpenrepublik dieses:

Wahre Freunde die sind wie Eichen

Sie geben dir Kraft, sie geben dir halt

Wahre Freunde, die nie entweichen

Wie ein Furz im Fichtenwald.

 

Geht’s dir gut dann sind sie da

wie die Fliegen am Pissoir

Ein Freund, ein echter Freund

was ist nur damit gemeint

Ist das der, der sich vertschüsst,

wenn du nicht grad oben bist

und temporär den Gullideckel küsst?

Dieser mitunter schwarze Flatulenzhumor kam mir immer zu pass und ließ mich wohlig vor Lachen erbeben.

Manchmal wünschte ich mir, dass zu Trauerfeiern einmal EAV gespielt werden würde:

 

Ja, das Leben das ist kurz

Im Grund genommen nur ein Furz

Du darfst kurz stinken und schon heißt es „Good Bye!“

Ist erst der Sargdeckel zu,

bist vergessen du im Nu.

Vergessen, vorüber und vorbei.

Die Erfolgkurve der EAV verlief über die Jahre ähnlich wie im Lied über die Freunde. Mit reinen Jux-Nummern erklomm die Truppe um die beiden Kreativ-Köpfe Klaus Eberhartinger und Tom Spitzer Ende der 80er Jahre die Hitparaden, und dies auch außerhalb der Fastnachtszeit und jenseits Österreichs. ‚Ba-Ba-Banküberfall’, ‚Küss die Hand schöne Frau’, ‚An der Copacabana’  – das waren große Hits, die entsprechend für ausverkaufte große Konzerthallen im gesamten deutschsprachigen Raum sorgten.

In dieser Zeit kam es zur ersten Begegnung. In der Garderobe der ZDF-Drehscheibe auf dem Mainzer Lerchenberg traf ich Spitzer und Eberhartinger zum ersten Mal zu einem Radio-Interview.

Der geniale Wortschöpfer und Stromgitarrero Spitzer daddelte lustlos an seiner Fender-Stratocaster. Als ich mich als Reporter des Bundeswehrsenders ‚Radio Andernach’ vorstellte verfinsterte sich umgehend sein Blick. „Na, mit Uniformen red i net, des is da Prinzip, duat ma leid.“ Sprach’s und schwieg!

Eberhartinger sah in meine traurigen Fan-Augen und hatte Erbarmen und auch viel mehr Toleranz.

So redeten wir halt alleine und ich wurde nicht enttäuscht. Zu den pointierten EAV-Texten kamen ebenso schlagfertige wie witzige Interview-Sätze: ja man sei bös, raunzte Klaus heiter, es gäbe aber viel härtere Vorgaben aus Wien, denn wenn man Qualtingers ‚Krüppellied’ hernehme, oder Kreislers ‚Tauben vergiften’, dann seien die Songs der EAV doch eigentlich nur großer Jokus.

Auf die Frage, wer sich diese schrägen aber schwarzhumorig ins Schwarze treffenden Reime ausdenke, verwies Eberhartinger auf seinen genialen Pointendichter Spitzer, der ein bisschen wie ein beleidigter Bub im Spielkasten mit der Gitarre weiter in der Ecke daddelte und nach unten sah.

Viele Treffen sollten in Saarbrücken folgen. Befreit von der ‚Last der Armeezugehörigkeit’ gab es später keine ideologische Kluft mehr zwischen mir und dem EAV-Texter Spitzer. Ich wusste jedoch, was ich an Eberhartinger hatte und welch’ geschliffenen Statements er mir ins Mikrofon ätzen konnte. Ich brauchte den Mafiaschnauzbart mit langen schwarzen Haaren nicht mehr.

Die Hochzeit der Alpen-Comediens sollte noch eine Weile andauern und so trafen wir uns schon einmal im Wellnessbereich des ersten Hotels am Platz in Saarbrücken. Eberhartingers Angebot, das Interview doch in der Dampfsauna drin zu führen, lehnte ich ab. Das vom SR geliehene Kassettengerät hätte Schaden nehmen können.  Obwohl, es hätten sich vielleicht in der Hitze und wie der Herr einen schuf andere Themenfelder erschließen können.

Wie dem auch sei. Eberhartinger kam wie Udo Jürgens in weißes Frottee gehüllt in den Ruhebereich und plauderte entspannt.

Wenige Jahre später sah ich meine Helden beim SR-Schülerferienfest auf der Bühne. Mit einem 20-Minuten-Medley ihrer großen Hits und ständig wechselnden Kostümen und Schaumgummirequisiten. Doch die Kids der nächsten Generation konnten mit der Ösi-Ironie nichts mehr anfangen. Die Festivalwiese lehrte sich rasch und ich stand betreten da, lauschte den bösen Geschichten meiner Helden und litt mit.

Bald darauf schrumpfte sich die EAV für den Kehraus gesund um lange Zeit nur noch in ihrer Heimat Austria mit der Popwelt mithalten zu können. Eberhartinger und Spitzer wanderten schließlich über weite Teile des Jahres nach Kenia aus. Trotzdem gab es regelmäßig CDs, die ich mir lückenlos besorgte. Im Gesamtwerk der Band blieb ich textsicher.

Viele Kurzinterviews hatte ich mit Klaus Eberhartinger, aber für eine große Sendung war nie Gelegenheit gewesen. Eines Tages sollte es soweit sein. Der EAV-Sänger hatte sich in seiner Heimat als TV-Moderator ein weiteres Standbein erarbeitet, als Buch lag seine Biografie ‚Sex, Lachs und Rock ‚n’ Roll’ vor und es gab ein neues EAV-Album. Die Sendereise machte schließlich wieder einmal den Schlenker über Saarbrücken. Ich hatte der Plattenfirma versprochen, dass sich der Umweg lohnen würde und in der Redaktion versichert, dass auch bei einem Star von einst die Gagdichte unglaublich sein würde.

Eberhartinger kam. Blond, schlank, mit dem Schalk im Blick wie  ehedem und mit schneller Wiener Schnauze.

Trotz seiner sportlichen Figur esse er am liebsten Schnitzel, Knödel und sahnig-sämiges und verdaue es zudem meisterlich, das war die spontane Antwort auf die Frage nach dem werten Befinden. Herrlich! Das ließ sich gut an.

Seine Zunge, die neben der Nahrungsaufnahme die absurdesten Silbenmontagen ohne Holperer rhythmisch und akkurat formen konnte, habe er schon als Kind geschult. Tierstimmen seien sein Hobby gewesen und er habe mit seinem Krähen Hähne zur Weißglut gebracht und gerne Hunde mit seinem Bellen und Jaulen verwirrt.

Auch seine ernste und private Seite öffnete Klaus Eberhartinger. Kenia sei für ihn nicht nur der weiße Strand und die Palmen: schon als Student war er mit einem klapprigen Landrover quer über den Kontinent gefahren und habe sein Herz an Afrika verloren.

Wenn bei ‚Jambo, furt is er der Rambo’, oder ‚Ist der Massa gut bei Kassa’ durchaus klamaukig das Thema Entwicklungshilfe behandelt worden wäre, so sei er selbst doch froh, mit kleiner finanzieller Unterstützung Menschen gerettet zu haben, die wegen medizinischer Lächerlichkeiten sonst hätten sterben müssen.

Auch mache ihn stolz, dass einige seiner afrikanischen Patenkinder kurz vor dem Universitätsabschluss stünden. Und das aus einem Umfeld heraus, wo normalerweise nicht einmal eine einfache Schulausbildung möglich gewesen wäre. Helfen sei so einfach, lächelte er bescheiden.

Seitdem habe auch ich endlich ein Patenkind in Schwarzafrika. Mich fasziniert dabei die Tatsache, dass ein Spaßmacher mit den übelsten Furzwitzen mich dazu gebracht hat und nicht einer vielen engagierten und eindringlichen Interviewappelle in Service- und Sondersendungen über viele Jahre.

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2 Gedanken zu „Klaus Eberhartinger EAV-Frontmann und Wahl-Afrikaner

  1. Hallo lieber Herr Job,
    wieder einmal voll ins schwarze getroffen….
    Die Truppe war sensationell….“Burli, Burli,Burli, hat auf jeder Seit zwei Ohrli…..“
    Liebe Grüße
    Ihr Harald Lesch

  2. Pingback: EAV – a schöne Leich‘ zum Abschied und ein emotionales Fan-Finale | Lyoner für Cliff Richard – der Star- und Show-Blog

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