Michael Schanze – Lieb sein mit Selfie

Er war über viele, viele  Jahre der ’nice boy next door, der nette Junge von nebenan‘. So hat Michael Schanze selbst sein Bild während der großen TV-Erfolge von den 70ern bis Ende der 90er Jahre gezeichnet. Große und aufwendige Fernseh-Shows waren darunter: ‚Hätten sie heut‘ Zeit für mich‘, ‚Wunderland‘ und schließlich der ‚Flitterabend‘. Dazu kamen lustige Kindersendungen wie  ‚1,2 oder 3‘, die Sendung mit dem Plopp oder der ‚Kinderquatsch mit Michael‘. Ich habe der mittlerweile 67-jährigen TV-Legende gestanden, dass ich für seine Kindersendungen damals schon ein bisschen zu alt und für den Flitterabend noch zu jung war. (Wir haben übrigens am selben Tag Wiegenfest: als ich zum ersten Mal plärrte, feierte er seinen 20. Geburtstag)

Schanze ist zweifellos einer der letzten Alleskönner: er ist Musiker, kann schauspielern und moderieren und darf sich zu den  ganz Großen Rudi Carell und Peter Alexander aufs Podest stellen, das an der Spitze der Fernseh-Unterhaltung eigentlich keinem weiteren deutschsprachigen Entertainer Platz bietet. Michael Schanze ist ein klasse Pianist, er hat eine tolle Stimme und, wie ich vorher im Publikum eines lauthals lachenden Saals selbst erleben konnte, er ist ein prima Schauspieler mit Gagtiming und Bühnenpräsenz, der sein Publikum begeistert.

Eine Sache hatte mich vor einem persönlichen kennenlernen sehr interssiert: ist der Mann genauso nett wie in seinen Sendung? Ist er, sogar wenn ihn im frühen Herbst eine erste Erkältung plagt, die Rübe dröhnt und die Stimme das kleine bisschen sonorer klingt als normal. Schon vor dem Interview ist Fototermin und es ist der Künstler selbst, der auf eins der heutzutage inflationär geschossenen Selfies besteht: ‚Komm‘ wir machen so eins. Das sieht von vornherein scheiße aus, und man erkennt nicht, dass ich kränkele.

Michael Schanze

Kurz darauf geht es – mit lediglich einer ‚heißen Zitrone‘  gedopt aber gut gelaunt los. Das Gespräch wird zur Lehrstunde in Fernsehhistorie, zur Studiotour hinter die Kulissen der Unterhaltungindustrie und ein tiefer Bick in die Seele eines Showprofis, der immer noch mit viel Feuer und Herzblut bei der Sache ist.

Rudi Carell habe ihm damals die holländische Vorlage zum ‚Flitterabend‘ präsentiert und die Idee zu diesem Dauerbrenner geliefert. Ursprünglich wollte Rudi auch für seine Show ‚Lass dich überraschen‘ Schanze als Studiomoderator haben und selbst nur der Glücksbote bei den Kandidaten daheim sein. Die TV-Oberen wollten es jedoch anders. Die Internationale Funkaustellung zaubert Schanze ein Lächeln ins Gesicht. Man habe damals gegen Jauch und Gottschalk, die Zwei vom ZDF um die Quote gekämpft. Siggi Hareis, Jürgens von der Lippe und er seien fürs Erste auf die Freilichtbühne gegangen: „Es ist faszinierend, wie nach einer Sendung, in der es zudem einen Stromausfall gegeben hatte, gestandene Redakteure mit den Zuschauerzahlen in der Hand herum rannten und wie nach einem Fußballspiel SIEG! SIEG! brüllten, unglaublich.“

Im großen ‚Dutzidutzi‘ der süßlich-supernetten Kindersendungen hat mich als Papa eines mittlerweile wortgewaltigen Siebenjährigen interessiert, ob die TV-Freunde der ganz Kleinen daheim mit ihrem Nachwuchs nicht doch bisweilen brüllen mussten. Rolf Zuckowski hatte als Antwort immer von großer Geduld gesprochen und der Contenance, die man als Großer bewahren müsse. Das hat mich jedes Mal mit einem schlechten Gewissen zurück gelassen. Nun hoffe ich auf Schanze: „Immer nett und lieb, die Kinder auf Augenhöhe interviewt. Jetzt weiß man als Papa, Kinder sind Monster, können tierisch nerven, testen ständig Grenzen aus. Ist in den lieben Michael nicht auch mal der heilige Zorn gefahren, wenn die Bande daheim einen bis zur Weißglut brachte?“ – Die Antwort läßt mich aufatmen: „Ja! Ja! Selbstverständlich! Später bei den Zwillingen umso mehr, weil diese Mistviecher nie getan haben, was die Erwachsen wollen. Ich bin selbstverständlich streng gewesen. Wenn ich gesagt hab, irgendwas geht nicht, dann hab ichs dann auch nicht so einfach durchgehen lassen.“ Uff! Danke Herr Schanze!
Fast all diese Geschichten werden nicht in das SR3 Gästebuch mit Michael Schanze passen. Dort werden andere wunderbare Anekdoten und Erlebnisse des Universalkünstlers zur Sprache kommen. Dazu kommt viel Musik. Was genau? Das bleibt ein Geheimnis bis Weihnachten. Bis dahin ist dieser Post wie Discounter-Spekulatius vom September. Irgendwie zu früh, schmeckt aber hoffentlich schon.

 

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