Elton John – ‚wonderful crazy night‘ – damals und heute

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Er trug einen giftgrünen Anzug mit farblichen passendem Schiffchen auf dem Kopf. Es war die Zeit, als die Saarlandhalle noch echte Weltstars präsentierte. Ohne jetzt in nostalgische Verklärung zu verfallen: diese Show von Elton John gehört in die Top 3 meiner ewigen Konzert-Erinnerungen. Die Stimmung im Saal war schon unter der Decke, als noch gar kein Ton gespielt wurde. Elton John betrat unter dem Jubel der Menge die Bühne, zog den schlanken Hut, und das Gekreische wurde nocheinmal doppelt so laut. Der Fan war heilfroh, dass der pummelige Piano-Papst mit Brille und den vielen Welthits wenige Monate zuvor eine Stimmband-OP gut überstanden hatte und nun etwas anders, aber immer noch flexibel klang, mal butterweich-balladig, dann wieder rotzig-rockig. Herrlich – unvergessen! Elton John in Saarbrücken mit seiner Band, die heute noch ihm durch die Welt zieht, aber eben vor dem König-der-Löwen-Oscar, seiner Las Vegas-Phase und vor seinen anderen Musicalerfolgen. Ein Konzert mit überschaubar mittelgroßer Produktion nicht vor Zehntausenden open Air, sondern für heutige Verhältnisse kuschelig-heimelig für 5.000. Man möchte in der Rückschau den Weltstar adoptieren und sagen, er muss Saarländer sein. Das wäre Blödsinn, aber den nunmehr geadelten Rücken ließ er sich zumindest gelegentlich von einem Saarländer weich massieren. Ist wahr, man möge googeln! Elton Johns Physiotherapeut heißt Timo Lambert und kommt aus Baltersweiler.

Sir (!) Elton, soviel Zeit sollte mittlerweile sein, zu interviewen hat noch nicht geklappt, aber die Hoffnung ist kräftig. Ihn live zu erleben, hat mir zum ersten Mal gezeigt, was  unter Bühnen-Charisma zu verstehen ist. Auch nach fast 30 Jahren treffe ich ausschließlich Konzertbesucher, die sich an Details erinnern können und noch heute ins Schwämen geraten.

Immerhin ist es mir gelungen, via andere Stars mehr über meinen musikalischen Rocket-Man zu erfahren. Mit Udo Jürgens war John befreunden. Das hat mir Jürgens mit Stolz erzählt. In Genf habe man mal zusammen zu Abend gegessen. Elton hat Udo um seine wunderbare Melodie ‚Was ich dir sagen will‘ (auf englisch – the music played) beneidet. Der Engländer hat danach seinen östereichischen Klavier-Kollegen ermuntert, ohne Orchester und Band  doch einmal Solo-Konzerte am Flügel zu geben. John hatte schon gute Erfahrungen mit schlank instrumentierten Piano-Abenden gemacht und Udo Jürgens sollte in den Jahren danach auch ohne Pepe Lienhard vor einem begeisterten Publikum auftreten.

Andreas Deja, ehemaliger Disneychefzeichner und Schöpfer des bösen Löwenonkels Scar lernte Elton John bei der Produktion des Blockbusters um den Hamlet unter Raubkatzen kennen. ‚Can you feel the love tonight‘ sollte zuerst nur von Erdmännchen Timon und Warzenschwein Pumba intoniert werden und eher lustig sein. Elton John hat sich aber heftig gewehrt, dass seine Ballade keineswegs eine Spaßnummer werden dürfe. Die dann gezeichnete Liebesszene von Simba und Nala machte die Welt wieder heile und den Evergreen perfekt. Deja hat weiterhin in 24 Bildern pro Sekunde den Löwen-Intriganten Scar zu Elton Johns Song ‚be prepared‘ tanzen lassen und verriet mir, dass dies eine simple Rechenaufgabe sei. So sei es kein Problem, die Pfote immer genau auf die Eins des Taktes aufsetzen zu lassen. Kurz vorher sogar, denn einen Tick früher sehe es besser aus.

Elton John hat mit fast 69 eine aktuelle Studio-CD eingespielt: Wonderful Cazy Night. Das rockt, das ist zum Mitschnippen und -summen, klingt mal nach Jazz, dann nach Country. Die Orgel rollt den Teppich aus für das Piano. Am Fender Rhodes wird gleichzeitig in andere Tasten gehauen. Toll! Ein Musikerfreund meinte: „Es is so schön, aber nicht einfach, ich möchte es nicht nachspielen müssen.“ Genau, das Album wird mit jedem Anhören besser und geht gerade nach dem zweiten dritten Abspielen mehr und mehr ins Ohr. Musik die etwas Zeit braucht, aber dafür hängen bleibt und vielleicht noch in weiteren 30 Jahren den Kultstatus von Elton John untermauern wird.

Der Meister ist auf Dauertournee und kommt immer wieder nach Deutschland, zumindest in unsere relative Nähe. Ob ich nochmal hingehe? Sicher nicht mehr für 44 Mark, aber die ‚wondeful crazy night‘ 1989 ist möglicherweise nicht mehr zu toppen?! Ich riskier’s vielleicht doch!

 

 

 

 

 

 

 

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Ein Gedanke zu „Elton John – ‚wonderful crazy night‘ – damals und heute

  1. Unbedingt „riskieren“!!! War 1989 in München dabei (mein allererstes Konzert überhaupt; musste mit Erwachsenenbegleitung hin), und der Mann ist eindeutig NOCH besser geworden. Freu mich auf ein paar Wonderful Crazy Nights 2016 und darauf, ein paar Songs vom tollen neuen Album zu hören.

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