Über Christian Job

SR 3 Radiostimme, Musical-Freund und Disney-Fan °o°

50 Jahre Dschungelbuch

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Detlev Schönauer – Doppelhirn und zweimal lustig

Mit Detlev Schönauer haben eine Menge Leute seit Jahrzehnten ganz viel Spaß. Ich auch: ob als Jaques Bistro in der damaligen Vormittagssendung bei der Europawelle, ob als Stargast, den ich auf der Bühne ansagen durfte, oder jetzt wieder im Radiointerview vor seiner nächsten Premiere am 6.10.

Karl-Heinz Reintgen – der erste Radio-Hitmaker

Die Geschichten von Radio-DJs, die eine bestimmte Platte so lange über den Sender schickten, bis der Song ein Riesen-Hit wurde, sind ungezählt. Elvis verdankt seinen Karrierestart Dewey Phillips von WHBQ, der 1954 eines Abends in Memphis ‚That’s all right‘ in Endlosschleife spielte. Es gab Wolfman Jack, Chris Howland, Manfred Sexauer und viele mehr. Der erste Hitmaker im Radio hieß Karl-Heinz Reintgen.

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1941 – es sind düstere und grausame Zeiten, der zweite Weltkrieg tobt schon zwei  Jahre. Niemand ahnt, dass alles noch viel schlimmer kommen und in der totalen Katastrophe enden wird. Für die deutschen Soldaten im Ausland geht der Sender Belgrad in den Äther – ein Propagandaposten und Truppenbetreuungsprogramm – wenn man so will, das deutsche AFN. Ein junger Leutnant aus Wilhelmshaven, Karl-Heinz Reintgen, 26 Jahre alt und neben der militärischen Ausbildung auch Radiomann, soll die Sendungen füllen, für zunächst 20 Stunden täglich. Dazu hat der Herr Leutnant  „nur 54 Schallplatten“ wie er sich später erinnert. Auch ohne Senderberater und Radio-Coaches weiß er, dass diese Menge für eine tägliche Hitrotation zu klein sein würde. Ein Kamerad wird nach Wien abbeordert, um dort schwarze Scheiben zu besorgen. Bei Durchsicht der Musikbeute wird jedoch bald bemerkt, dass fast alles „verbotene“ Platten sind. Alles wird auf Sendbarkeit durchgehört. Plötzlich liegt das „Lied eines jungen Wachtposten“ auf dem Teller. Lale Andersen steht auf dem Label, ein Stück, 1939 bei EMI aufgenommen, alles andere als ein Knaller, eigentlich die Platte zum Ausmustern. Aber dieses „Lili Marleen“ klingt am Schluss mit der Trompetenmelodie zum Zapfenstreich aus. Der Radioleutnant denkt sich „prima“, diese Nummer taugt zum Programmschluß, „gekauft!“ Die erste deutsche Radiomusikgeschichte wird geschrieben.

Nach einer Wochen mag man zur Abwechslung  dann doch was anderes zum Finale spielen. Plötzlich hagelt es empörte Feldpost aus allen Himmelsrichtungen. „Wo ist die Lilli?!“ Der Sende-Leutnant ist mit seinen ersten Hörerreaktionen konfrontiert: „Wir dachten, wir senden nur von hier bis an die Wand, wir wussten ja nicht, dass wir über Belgrad hinaus gehört werden können“, sagt Reintgen Jahrzehnte später im Spiegel. ‚Lilli Marleen‘ wird zum Markenzeichen des Programms, eine Grußsendung kommt auf den Einsatzplan, die Heimat und die Front per Radio verbindet. Tatsächlich gibt es bald Soldatenbriefe die bezeugen, dass Grauen und Sterben über die Kriegslinien hinweg Pause haben, wenn Lale Andersen gespielt wird. „Überall in der Wüste pfiffen englische Soldaten das Lied“, wird ein Kriegsberichterstatter später zitiert.

Wie gesagt, eine sehr dunkle Zeit, damals….welche Befehle der Soldatensender Belgrad zu befolgen, welche weiteren Ziele zu verfolgen hatte, soll nicht Thema sein. Auch nicht die Position des jungen Radioleutnants in der Wehrmacht. Fakt ist: Karl-Heinz Reintgen blieb beim Radio, wechselte später zum noch jungen Fernsehen und war auf dem Halberg beim SR Chefredakteur und stellvertretender Intendant. 1980 ging er in Saarbrücken in Pension. Vor seiner Zeit beim SR, noch in den 50er Jahren, war Reintgen Reporter und Moderator beim Südwestfunk in Kaiserslautern. Dort habe ich jetzt zwei seiner Sendungen bei Recherchen über Pfälzer Musikanten und Auswanderer entdeckt. Er führt darin u.a. ein Interview mit dem Pfarrer meiner Heimatgemeinde Rieschweiler. Ein Wahnsinn, wie gut ein Tonband von 1954 noch klingt. Ich habe es meinem Papa vorgespielt, der sofort losgesprudelt hat mit Anekdoten über den alten Hochwürden aus einer ganz anderen Zeit, lange vor meiner Geburt. Aber das sind andere Geschichten. Keine vom Radio.

 

David Hasselhoff – Looking for Christschän

Whow, ein Weltstar mag man da staunen: Der Baywatch-Mitch, der Knightrider! Eine Legende, mindestens so bekannt wie Coca Cola. Denn seine rote Badebux am Strand von Malibu haben zu den besten Zeiten der Schwimmmeisterserie in 144 Ländern des Planeten wöchentlich eine Milliarde Menschen gesehen. Dunkel taucht im Nebel der wagen Erinnerungen die kleine Musikanekdote auf, nach der es  ‚The Hoff’s‘ Partyknaller ‚Looking for Freedom‘ war, der Erichs Mauer zum Einsturz gebracht und die DDR final hinfortgespült hat. Zumindest soll das der David jahrelang mit fester Überzeugung geglaubt haben. Wer wollte dem widersprechen!

Ich mag den Hasselhoff sehr. Ein cooler Typ, der gegen den Rummel um seine Person ordentlich angetrunken hat, wie viele Weltstars. Der aber bisher immer die Kurve bekommen hat und – das ist entscheidend – immer über sich selbst schmunzeln konnte. Das macht ihn zu einem wirklich Großen, dem jetzt auch der nötige Respekt für seine unvergleichliche Karriere gezollt wird. Nicht Viele bekommen Gastauftritte in einem Blockbuster aus Hollywood angeboten. ‚Hoff‘ ist sich selbst nicht zu schade für einen Schlußgag und liefert ein spaßiges Augenzwinkern. Am Ende der Marvel-Weltraumsaga ‚Guardians of the Galaxy‘ kommt er kurz ins Bild – klasse! Wieder haben sich Fans der 80er auf der ganzen Welt amüsiert und ihm nostalgisch gestimmt zugejubelt.

Aber wie werden der Job und der Hoff vor und hinter der Kamera zu Kumpels? Gar nicht!  Das erklärt folgender kleine Blick hinter die Kulissen des Showgeschäfts: zum Start von DVD und Bluray des ‚Guardians-Abenteuers‘ hat die deutsche Disneyabteilung den Hasselhoff für eine kleine Werbeaktion gewinnen können. Er nahm sich Zeit, um in einem Studio ein paar Sätze in Kamera und Mikrofon zu sprechen. Ein kleiner Kreis mit Radiokollegen wurde ausgewählt und jeder durfte vorab dem David EINEN Satz für den Teleprompter schicken, am besten einfach lesbar, damit der Amerikaner alles fluffig über die Lippen bekommen kann. Ich mailte voller Eifer:
Hi hier ist (this is) David Hasselhoff. Your listening to Christian Job (long oooo)
Viel Spaß mit (Have fun with) the Guardians oft the Galaxy Vol. 2  bei / with SR 3 Ess Err Dry… Saarlandwelle (Saaaa land whelle)

‚The Hoff‘ hat das supertoll hinbekommen, ich bin sehr stolz:

Wie könnte ich jetzt doch noch eine spektakulärere Verbindung nach Hollywood finden, die über dieses kleine Detail hinausgeht, dass David lediglich meinen selbst getexteten Zweizeiler fetzig abgelesen hat? Naja…

Der Welthit ‚Looking for Freedom‘ stammt aus der Feder des deutschen Produzenten Jack White. Der hat in den 60er Jahren noch unter seinem richtigen Namen, Horst Nußbaum, Fußball gespielt und war zuerst beim FK Pirmasens, dann in Zweibrücken unter Vertrag. Außerdem hatte White für seinen Sohn eine Kinderfrau in Dudweiler, bevor er zum PSV Eindhoven wechselte. Da war ich aber leider noch nicht auf der Welt. Mist! Aber PSV ist auch die Abkürzung für ‚Psychologische Verteidigung‘, eine Bundeswehrtruppe, bei der ich damals in Andernach zur Radio-Grundausbildung war. Mein Chefredakteur und bis heute bester Brief-Freund heißt Franz Nußbaum, ein entfernter White-Cousin. Die Welt bleibt also ein Dorf, in dem mir sicher auch noch HOFF persönlich begegnen wird. Mal Franz fragen, ob er Horsts Telefonummer hat.

Guardians of the Galaxy vol. 2 erscheint übrigens am  7. September.