David Hasselhoff – Looking for Christschän

Whow, ein Weltstar mag man da staunen: Der Baywatch-Mitch, der Knightrider! Eine Legende, mindestens so bekannt wie Coca Cola. Denn seine rote Badebux am Strand von Malibu haben zu den besten Zeiten der Schwimmmeisterserie in 144 Ländern des Planeten wöchentlich eine Milliarde Menschen gesehen. Dunkel taucht im Nebel der wagen Erinnerungen die kleine Musikanekdote auf, nach der es  ‚The Hoff’s‘ Partyknaller ‚Looking for Freedom‘ war, der Erichs Mauer zum Einsturz gebracht und die DDR final hinfortgespült hat. Zumindest soll das der David jahrelang mit fester Überzeugung geglaubt haben. Wer wollte dem widersprechen!

Ich mag den Hasselhoff sehr. Ein cooler Typ, der gegen den Rummel um seine Person ordentlich angetrunken hat, wie viele Weltstars. Der aber bisher immer die Kurve bekommen hat und – das ist entscheidend – immer über sich selbst schmunzeln konnte. Das macht ihn zu einem wirklich Großen, dem jetzt auch der nötige Respekt für seine unvergleichliche Karriere gezollt wird. Nicht Viele bekommen Gastauftritte in einem Blockbuster aus Hollywood angeboten. ‚Hoff‘ ist sich selbst nicht zu schade für einen Schlußgag und liefert ein spaßiges Augenzwinkern. Am Ende der Marvel-Weltraumsaga ‚Guardians of the Galaxy‘ kommt er kurz ins Bild – klasse! Wieder haben sich Fans der 80er auf der ganzen Welt amüsiert und ihm nostalgisch gestimmt zugejubelt.

Aber wie werden der Job und der Hoff vor und hinter der Kamera zu Kumpels? Gar nicht!  Das erklärt folgender kleine Blick hinter die Kulissen des Showgeschäfts: zum Start von DVD und Bluray des ‚Guardians-Abenteuers‘ hat die deutsche Disneyabteilung den Hasselhoff für eine kleine Werbeaktion gewinnen können. Er nahm sich Zeit, um in einem Studio ein paar Sätze in Kamera und Mikrofon zu sprechen. Ein kleiner Kreis mit Radiokollegen wurde ausgewählt und jeder durfte vorab dem David EINEN Satz für den Teleprompter schicken, am besten einfach lesbar, damit der Amerikaner alles fluffig über die Lippen bekommen kann. Ich mailte voller Eifer:
Hi hier ist (this is) David Hasselhoff. Your listening to Christian Job (long oooo)
Viel Spaß mit (Have fun with) the Guardians oft the Galaxy Vol. 2  bei / with SR 3 Ess Err Dry… Saarlandwelle (Saaaa land whelle)

‚The Hoff‘ hat das supertoll hinbekommen, ich bin sehr stolz:

Wie könnte ich jetzt doch noch eine spektakulärere Verbindung nach Hollywood finden, die über dieses kleine Detail hinausgeht, dass David lediglich meinen selbst getexteten Zweizeiler fetzig abgelesen hat? Naja…

Der Welthit ‚Looking for Freedom‘ stammt aus der Feder des deutschen Produzenten Jack White. Der hat in den 60er Jahren noch unter seinem richtigen Namen, Horst Nußbaum, Fußball gespielt und war zuerst beim FK Pirmasens, dann in Zweibrücken unter Vertrag. Außerdem hatte White für seinen Sohn eine Kinderfrau in Dudweiler, bevor er zum PSV Eindhoven wechselte. Da war ich aber leider noch nicht auf der Welt. Mist! Aber PSV ist auch die Abkürzung für ‚Psychologische Verteidigung‘, eine Bundeswehrtruppe, bei der ich damals in Andernach zur Radio-Grundausbildung war. Mein Chefredakteur und bis heute bester Brief-Freund heißt Franz Nußbaum, ein entfernter White-Cousin. Die Welt bleibt also ein Dorf, in dem mir sicher auch noch HOFF persönlich begegnen wird. Mal Franz fragen, ob er Horsts Telefonummer hat.

Guardians of the Galaxy vol. 2 erscheint übrigens am  7. September.

Telefonat mit Harrison Ford oder Wolfgang Pampel am Handy

Die Agentur hat mir eine österreichische Handynummer für das Interview mit Han Solo und Indiana Jones gegeben. Da bin ich beim Wählen schon ordentlich aufgeregt, stelle mir den braunen Fedora des Archäologieprofessors und das Cockpit des Millenium Falken vor. Zweimal klingeln, dann knackt die Leitung. Harrison Ford ist gut gelaunt und flachst: „Wissen Sie, wo sie mich gerade anrufen? Ich wandere im Salzkammergut, herrlich hier!“

Das sind ganz tolle Radiomomente, wenn kein Auge die Illusion zerstören kann, So hatte ich zuvor schon mit Marilyn Monroe schäkern dürfen oder konnte den wilden James Dean näher kennenlernen. Stimmen bleiben und überdauern Jahrzehnte. Natürlich sprach der blonde Superschuss damals mit der Stimme von Margot Leonard, Jimmy Dean war hierzulande mit Dietmar Schönherr verbunden.

War ich mir auch im Kopfkino sicher, gleich breche der jaulende Chewbacca aus dem Unterholz der alpenländischen Flora, so gehörten Handy und Stimme doch nicht dem echten Harrison Ford, sondern seiner deutschen Stimme, dem gebürtigen Leipziger Wolfgang Pampel.

Bildergebnis für wolfgang pampel (copyright kurier.at)

Der Synchronsprecher macht den besten Job, wenn er mit seinem Hollywood-Gegenüber zu einer Einheit wird. Wenn keiner mehr fragt, wessen Röhre das ist, die da spricht. Kino-Fans wollen es natürlich trotzdem wissen und interessieren sich auch dafür, was die Künstler aus dem Dunkel sonst so machen. Wolfgang Pampel war in vielen Wiener Musicals aktiv. Stand er selbst auf der Bühne kam den Zuschauern natürlich nicht sofort Harrison Ford in den Sinn. Schloss man aber nur kurz die Augen, waren Stücke wie ‚Freudiana‘ oder ‚Das Phantom der Oper‘ plötzlich hollywoodbesetzt. Pampel war einer der verrückten Operndirektoren, die die Diva umgarnten und dem Phantom Schutzgeld zahlen mussten. Neben Pia Douwes gab Pampel den herzensguten Erzherzog Max von Bayern, der den Freiheitsdrang seiner Tochter ‚Sissy‘ Elisabeth verstehen konnte, das Schicksal an der Wiener Hofburg aber nicht verhindern konnte.

All dies mit mir besprechen zu können, findet der Wanderer im Salzkammergut gut. Wer will schon nur auf einen großen Star Wars Haudegen reduziert werden. Trotzdem Gilt der Anlass des Interviews einem rundem Geburtstag des US-Idols. Pampels Anekdotenschatz ist prall gefüllt wie der Vesperrucksack seiner Bergtour. Ich, der Musical-Fan bekomme davon eine große Portion ab:

Ford sei ja immer der ‚Nice Guy‘, nur einmal, in SCHATTEN DER WAHRHEIT habe er den Bösen gespielt. Da habe Pampel gemerkt, dass er Stimme für einen mehr als gelassen coolen Typ sein musste: „Seine Freundin wollte sich umbringen und sprang am Ende eines langen Bootstegs in den kalten See und Harrison Ford sollte dann entsetzt hinter herrufen. Bei Harrison Ford klang das ‚Claire!‘ Da kam der deutsche Synchronregisseur und hat gesagt, das geht natürlich nicht, da musste schon wesentlich mehr machen. ‚CLAAAIIIIIIIIRRE!!!!!‘ hab ich dann gebrüllt. Das ist halt der Unterschied, wenn Harrison Ford sehr aufgeregt ist, dann klingt das ‚Claire!'“

Ford und Pampel sind sich übrigens nie persönlich begegnet, obwohl es zur Premiere von ‚Air Force One‘, dem Actionknaller über den entführten US-Präsidenten, eigentlich geplant war: „Harrison Ford kam mit einer ‚747‘ an und ist ausgestiegen und die Produzenten wollten, dass wir dann auch irgendwann miteinander ’shake hands‘ machen. Ich war vielleicht 40 – 50 Meter entfernt, und es haben sich wild gewordene weibliche Menschen auf Ford gestürzt, dass ich dachte, das überlebt der Mann nicht. Der wird in Einzelteilen davon transportiert. So ist unser Treffen damals in alle Winde verweht.“

Seit der ersten Star Wars Folge 1977 hängt Pampel an den Lippen des Weltstars und Blockbusterkönigs. Beide sind miteinander älter geworden. Pampel ist froh, dass auch seine Originalvorlage nicht mehr so viele Stunts in seiner Stimme hat: „Wenn ich mir heute die Filme ansehe, oh Jesses, das könnt ich überhaupt nicht mehr. Damals habe ich gesprochen wie ein Maschinengewehr, und immer noch verständlich. Das wäre nicht mehr möglich. Das ist wie bei einem Hundertmeter-Sprinter. Diese Schnellkraft in der Muskulatur der Stimme lässt eben nach, dafür werden die Ausdauer und Tiefe anders.“

Singen wäre natürlich auch noch möglich. Sollte Ford aus seine alten Tage mit Mitte 70 noch auf der Leinwand ein Lied zu Besten geben. Auch das wäre für Musical-Profi Pampel als Synchronstimme kein Problem.

 

 

Urpils für Chris de Burgh

Ein Superstar auf Tournee ist nicht zu beneiden. Das Konzert dauert bis in die Nacht. Danach ist man voll Adrenalin und muss sich entweder an der Hotelbar ein paar Beruhigungsgläser genehmigen, oder der Nightliner hat hinten eine Schlafkoje, so dass das Geschaukel im Bus den Sänger bis in die nächste Stadt wiegt, in der er im Morgengrauen dann für ein paar Stunden sein Hotelzimmer beschlafen kann, bevor in der nächsten Halle der Soundcheck ansteht. Es ist also für den Musiker wurscht, ob er gerade in Saarbrücken, Nürnberg oder Zwetschgenmembach aufspielt. Einige Künstler haben mir erzählt, dass Ihnen beim Betreten der Bühne bisweilen der Roadie zuflüstern muss, wo man sich denn gerade befindet. Nur so kann verhindert werden, dass die Fans, die am Abend alle wie ihre Stadt heißen, falsch begrüßt werden.

Der gewiefte Showprofi besorgt sich rechtzeitig vorher beim örtlichen Veranstalter ein paar Ortsmarken, um damit man im Konzert mit etwas Lokalkolorith den Kenner der Region mimen zu können. Otto Waalkes hatte im Saarland z.B. schon die besonders gut gebauten Mädels aus Bouzonville unter dem Lachen der Menge begrüßt.

Für seine aktuelle Tournee ‚A better World‘ bespielte Chris de Burgh die mittelgroßen Konzertorte in Deutschland. Die Saarlandhalle war dabei, wie schon seit den 80er Jahren, eine feste Station. Mit dem Liebeslied ‚All for Love‘ war dem sympathischen Iren wieder ein kleines ‚Lady in Red‘ gelungen. Bei der Ansage des neuen Schmusehits war de Burgh diesmal als großer Frauenversteher aufgetreten, hatte die Damenwelt für das aufreibende und aufopferungsvolle Tun zum Familienwohl gelobt. Die Männerwelt wurde dabei in zwei Nebensätzen als fußballverrückte Feierabendtrinkerclique veräppelt. Genau hier war im Konzert wunderbar ein regionaler Akzent zu setzen. Im Internet hatte ich beobachtet, dass der Mädelsliebling in Nürnberg den Herren ‚Frankenwein‘ ins Glas der Häme geschüttet hatte. Würde er in Saarbrücken seinen Geschlechterkameraden ein Urpils Stubbi zum Prosten anbieten, wären die Lacher der Frauen gleich auf seiner Seite. Dies wollte ich de Burgh vor dem Auftritt unbedingt zuflüstern, denn wir waren nach unserem letzten Interview fest verabredet:

IMG_8944.JPG

Zum Album The Hands of Man war im Herbst 2014 ein  Gespräch nur von Kopfhörer zu Kopfhörer für immerhin dreißig Minuten im Interviewplan geblockt. De Burgh saß beim RBB in Postdam, ich in Saarbrücken. Kurz vor der Schaltzeit hatte ich ein  wackeliges Erinnerungsfoto von uns nach Brandenburg gemailt, auf dass man es dem Meister ausgedruckt vorlegen konnte. Es raschelte im Kopfhörer, und schon hörte ich seine Stimme, die so ruhig und sanft klang, aber hellwach und interessiert. ‚Ey I have a picture of you?’…’Yes from Saarlandhalle!‘. De Burgh wusste bescheid.

Schon waren wir mitten in einem faszinierenden Gespräch. Der als scheu beschriebene Songschreiber sprühte, sprach von seinen Liedern als Songgemälde. Er wolle Musikkino machen und immer neue Geschichten erzählen. Was für welche! Auf der Kölner Hohenzollernbrücke, da wo Liebespärchen ihre Vorhängeschlösser an den Zaun klemmen und die Schlüssel in den Rhein werfen, sei ihm die Ballade zu ‚The bridge‘ eingefallen. Das Liebespaar in seinem Lied wird vom Krieg getrennt. Er muss als Soldat ins Grauen, sie bleibt zurück. Als sie eines Tages den Brief von der Heeresleitung bekommt, ihr Verlobter sei vermisst und wäre vermutlich tot, will sie sich in den Fluß stürzen. Kurz vor dem Sprung hört sie aber von fern seine vertraute Stimme. Der Liebste ist zurück und das happy End(et) im ohrwurmigen Refrain.

Als ich ihn auf die traurigen E-Gitarren anprach, die spielen nachdem das Mädchen den amtlichen Brief geöffnet hat, und somit die Geschichte weitererzählen, strahlte er hörbar mit einem fröhlich-hellen ‚exactly‘. Die Musik müsse die Geschichte unterstützen und die Frau weinen lassen. ‚Das ist wie bei In a country churchyard‘, fügte ich hinzu. Da hat auch das Streichertremolo die am Himmel fliegenden Raben über dem Friedhof in Tönen gemalt‘. ‚Absolutely‘, spätestens jetzt wusste er, dass mit mir ein langjähriger Fan die Fragen stellte. Wir witzelten über die miesepetrigen Kritiker, die immer nur über Sachen schreiben würden, die sie nicht mögen und seit 40 Jahren seine Musik als Kitsch abtaten. Chris de Burgh bestätigte seinen 500.000 Facebook Fans, dass er selbst poste und ihre Kommentare lese. Nur diese zählten für ihn. Wir redeten auch über die eigenen Kinder. Man müsse sie loslassen. Es sei traurig, wenn er im ehemaligen Kinderzimmer die alten Spielsachen betrachte, die ihnen einst so wichtig waren. Aber wenn man wisse, dass sie in ihrem eigenen Leben glücklich seien, dann käme zur Melancholie auch großer Stolz. ‚Empty room‘ hieß der Song zu diesen Gedanken eines Vaters, und ich konnte sie nachvollziehen.

Die Zeit verflog, aber diesmal blieb die entscheidende Minute, in der ich ihm für den Soundtrack meiner Jugend dankte und auf Rock am Ring 1985 ansprechen konnte. Da sei ja er der Top-Künstler n a c h U2 gewesen. Chris de Burgh musste lachen, ja das sei richtig, er und seine Band hättten sich damals die Newcomer aus dem eigenen Land angeschaut, das sei schon extrem rauher Rock gewesen. Ein letztes ‚Good Bye‘ über den Kopfhörer nach Potsdam und die Leitung wurde gekappt. ‚See you in Saarlandhalle, Christschän‘ – Sure!

Das Showgschäft ist aber unerbittlich, die Festplatten der Erinnerung werden regelmäßig neu formatiert: Zwischen dem Studiointerview und dem Wiedersehen Saarlandhalle lagen drei Jahre. Der Abend war heiß, die Zeit knapp, nur wenige Minuten vor dem Auftritt. Nur zwei Fragen solle ich stellen, bat Chris de Burgh und linste gleichzeitig auf meinen Reporterzettel: „oh, das sind ja vier Fragen!“, schob er streng hinterher, so steng er als netter Typ eben sein konnte. Diese Begegnung war professionel und dauerte keine drei Minuten – Interview, Foto, Thank you! Das Urpils blieb gekühlt im Kühlschrank – der Gag dazu würde kein Haltbarkeitsdatum haben. Ein andermal! Im Gehen ein schnelles ‚Tschüß und Danke‘ für sein Kapitel in OHNE DRESSCODE, das er unter dem Arm klemmte. Vielleicht würde es dem Einschlafen im Hotel dienlich sein können. Mir blieb in der Fotosammlung nun ein scharfer Schnappschuss nach dem Wackelbild von der ersten Begegnung.

FullSizeRender.jpg

 

Und hier das kleine backstage Interview:

Europapark – echtes Fliegen im Voletarium

Neben Micky ist mittlerweile auch Ed EuroMAUS ein echter Kumpel…

Ed und job.jpgSein Zuhause, der Europapark in Rust, hat in diesem jahr einen wahren Knaller gelandet. Echtes Fliegen, ein Traum – so alt wie die Menscheit – wird wahr. Wie der Adler ganz oben seine Bahnen zieht, geht das nun täuschend echt auch ohne Flügel. Der Riesenoschi mit orange-grauer Front hinter der Deutschen Allee heißt Voletarium!

Voletarium.jpg

Man sagt, diese teuerste Attraktion bisher habe 25 Mio Euro gekostet.
Erzählt wird die Geschichte vom Fliegen. Der Besucher hebt schließlich selbst ab und erlebt Europa von oben…Hier der Test zum Hören:

Und wo wir schon so schön in der Luft sind…der neue Wasserpark für 2019 bekommt die ersten Fundamente…Auch dort soll der ‚Adventure Club of Europe‘ seine Bahnen ziehen.   … es bleibt also spannend.

wasserpark.jpg

P.S. ach ja und Thomas Gottschalk habe ich auch getroffen, der jobbt jetzt bei den ‚Piraten in Batavia‘

Gottschalk.jpg

Rainhard Fendrich – für immer a Wiener

DOCH IN MIR DRIN BLEIB I IMMER A WIENER
IHR KENNTS MI GERN HAB’N
ABER SICHER NET VERBIAG’N

DSC_0369.JPG

Ich liebe diese österreichische Melange aus Sarkasmus, Herz, Augenzwinkern und Lebenslust. Ich mag die Wiener seit ich zum ersten Mal in den 80ern mit der Schule die K-u-K-Metropole besuchen durfte. Ich kann mit dem Begriff ‚Schmäh‘ etwas anfangen und weiß, dass der Wiener schon mal äußerlich lächelt und tief drinnen ‚Arschloch‘ denken kann. Auch ist mir bewusst, dass gerade eine Kulturstadt wie Wien die größten Talente hervorgebracht hat, die Musik, Schauspiel und Show zu bieten haben. Rainhard Fendrichs Musik ist schon immer Teil meiner Playlist. Er ist Wiener, er ist seit Jahrzehnten europaweit ein Star.

IMG_8726.JPG

Ihm zu begegnen war als Bewunderer lange mein Wunsch. 2010, drei Jahre später nocheinmal und jetzt hat es geklappt. Vielleicht stimmt es, was man über die Wiener Seele sagt? Dass sie sich nicht gleich jedem offenbart? Wahrscheinlicher ist aber, dass ein Künstler an dem über Jahrzehnte gezerrt und gezogen wird, der ungefragt ständigt das Mikrofon vor die Nase gehalten bekommt, nicht in jedes Interview geht, um gleich das Buch seines Lebens am spannendsten Kapitel aufzuschlagen. Mittlerweile ist mit das frühere  Gewimmer des enttäuschten Fans fast peinlich, denn das dritte (das für alle guten Dinge) Treffen geriet zum herzlich-lustig-spannenden Talk bei offenem und geschlossenen Mikrofon:

Als wir uns gleich zu Beginn zum obligaten Internetfoto aufstellen, dämmert es dem Künstler: ‚dös Foto hamma schoma g’macht, oda?“ Ich zeige am Handy die Collage ‚Interviepartner im Wandel der Zeit‘ und Fendrich lacht. Kurz darauf blättert er im SR 3 Gästebuch mit den Autogrammkarten der Kollegen: „Wer is das?“, fragt Rainhard. „Johnny Logan!“…“Echt? der Johnny, whow, dreimoi Grand Prix g’wonnen – Hammer!“ „Der erzählt die allerbesten Witze, die man wirklich noch nicht kennt“, ergänze ich von der heiteren Begegnung mit dem Iren wenige Wochen vorher. „Bass auf! Ich erzähl dir jetzt den allerbesten Witz“, nimmt Fendrich die unausgesprochene Herausforderung an, „Kommt ein Mann zum Arzt und sagt, ‚Herr Doktor ich bin eine Motte!‘, da sagt der Arzt, ‚ja da müssen sie zum Psychiater und nicht zu mir‘, und der Mann antwortet ‚ja, aber bei Ihnen….“ „… hat Licht gebrannt!‘, ist es mir voll peinlich, nicht unvoreingenommen die Pointe abwarten zu können. „Genau d e r war auch Johnnys Lieblingswitz.“ Schallendes Lachen tönt im Studio.  Die Stunde verfliegt, der Fan hat einen seiner Lieblingskünstler ganz für sich und darf locker über den Studiotisch fachsimpeln. „Die ‚Geisterbahn‘ ist in all den Jahren eine der schönsten Geschichten, die du im Lied erzählt hast, finde ich“. Er stimmt mir zu: „joa schön morbid, und der Geist woa übrigens i! In der Liste meiner echten Berufe nenn‘ ich immer ‚professionelles Gespenst‘. Ich musste in einer uralten Geisterbahn im Prater Leute erschrecken, ein Glas Wasser übergießen, ‚uaaaaahhh‘ rufen. War schlecht bezahlt, habe das nicht lange gemacht, aber ich war echter Pratergeist.“ Die Auswahl der Titel, die sich Rainhard Fendrich für die Live-Sendung spontan wünschen darf, ist genauso spannend wie heiter: „Hast ‚Piano-Man‘ vom Billy Joel?“, fragt er und ich suche in der Datenbank der Sendeautomation im Netzwerk: „Klar aber fast sechs Minuten sind lang.“ „Verstehe, dann ‚Inna gadda da vida‘ in voller Länge und ‚Habe die Ehre'“, prustet er. Wir nehmen ’she’s always a woman‘ vom Pianoman Joel und plaudern über den Vater des Weltstars, der aus Wien stammt.

Im Interview antwortet Fendrich geschliffen, pointiert und nie ausufernd. Vollprofi mit Fleisch am Knochen des Gesagten. War ich vor Jahren noch über die ‚geskripteten‘ Aussagen etwas irritiert, bekomme ich nun off Air die plausible Erklärung. Seine Ansagen und Statements würde er sich daheim mit viel Aufwand erarbeiten, daran feilen und gerne auf Pointe bürsten. Wenn es ihm dann gelänge, alles wie gerade spontan formuliert rüberzubringen, sei es perfekt. Natürlich! Die 1. Regel aus dem Grundgesetz des Showgeschäfts,  die Fendrichs Herzblatt-Vorgänger Rudi Carell stets wichtig war: ‚wer ein Ass aus dem Ärmel ziehen will, muss vorher eins reintun‘.

Rainhard Fendrich, verbiegen muss er sich wirklich nicht, der Wiener. Ein Rundum-Entertainer, von denen es nurmehr ganz wenige gibt. Hoffentlich auf weitere Treffen!

DSC_0367.JPG

Hier was alle hören konnten, eine der wienerischsten Radio-Stunden ….