EAV – a schöne Leich‘ zum Abschied und ein emotionales Fan-Finale

Sie sind auf Abschiedstournee mit nahezu 90 Konzerten bis zur endgültigen Totenmesse diesen September in Wien. Der Stadt, wo sie ihre Kaiser an drei verschiedenen Stellen beerdigt haben. Hier das Herz, da die Eingeweide und der Rest im Prunksarg. Den bekommt auch EAV-Frontman Klaus Eberhartinger, wird von zwei Bestattern auf die Bühne getragen, entsteigt dieser letzten hölzernen Wohnstätte aber derart elegant (der ‚Let’s dance Sieger Austria‘), dass man sofort weiß, wo die Sense hängt. Der Gevatter bleibt noch auf ein paar Lieder und diverse Jagertee. Getreu dem habsburgischen Bestattungsritus fährt es einem im EAV-Konzert auch bei ihrer Finalrunde ins Herz, ins Hirn und die Gedärme. Wer sich auf die Hits der 1000-jährigen Bandgeschichte freut, bekommt diese auch.

‚Der Alk g’friert in der Ader‘, was ist das alles immer noch brisant und brandaktuell obwohl längst EAV-Oldies. Hier und da wurde umgedichtet, aber der böse Urtext schwingt mit und grinst zynisch aus dem Geschichtsbuch. Von ‚Neandertal‘ bis ‚Samurai‘ oder der Geschichte vom ‚Muaterl‘, der alten Oma in der Kirche. Aktuell und nostalgisch, die Menge ist textsicher und freut sich über die rührende Moritat vom Sandlerkönig Eberhard ebenso, wie über das neue ‚Am rechten Ort‘, das allen Hetzern und Maulern mit traurigem Blick den Spiegel vorhält, wie gut es uns allen nach über 70 Jahren Frieden in Europa eigentlich geht.

Die EAV – fünf Musiker plus Eberhartinger, was für ein Sound. Auch wenn es gerade höchst ehrenhaft ist, alte Songs mit einer orchestralen Unpluggedhuberei zeitlos zu veredeln, so klingt es erfrischend wohltuend, bei der EAV die ins Heute gemixten Sounds der 80er mit E-Drums und Synties wieder einmal zu hören. Auch das gute alte Saxofonsolo kratzt wohlig in den Lauschern. Kurz drauf aber rocken und rollen Tom Spitzer und Co-Gitarrist Kurt Keinrath los wie einst ZZ-Top, oder sie solieren als Duo, dass nicht nur der Burli die Ohren anlegt. Mit der Rhythmusgruppe zusammen rumst und groovt die Show durch die Trauerfeier, Höllenstimmung im heißen Saal.

Die vorläufig ERSTE ABSCHIEDS VERANSTALTUNG der EAV wird für mich, den Fan aber aus anderem Grund zum unvergesslichen Erlebnis. Es schließt sich nach über drei Jahrzehnten endlich der Kreis, ich habe eine Verabredung zum ersten Interview mit Thomas Spitzer. Die Tatsache, bisher lediglich mit Klaus Eberhartinger gesprochen zu haben, ziert seit jeher eine kleine melancholische Anekdote in meinem Interviewerleben. Es hatte dabei viele tolle EAV-Momente vor und hinter der Bühne gegeben. Als Fan aber niemals auch mit dem Mastermind der Gruppe geredet zu haben, das ließ lange eine Lücke, die mich wie der ‚G’sturb’n is g’sturb’n-Wurm‘ wurmte.

Jetzt kommen die beiden legendären Verunsicherer fröhlich den Gang an den Garderoben enlang, entspannt, locker, gutgelaunt. Klaus grüßt freundlich wie immer, hat aber heuer keine Lust auf ein Interview. „Noaa mach amol mit dem Domas, allaan, net immer i“, schiebt er seinen langhaarig langjährigen Freund vor, der ein Auge kneift und „Mia kennan uns doch?“ raunzt. Wie? Hat er vielleicht im Netz über die Jahre mal einen meiner Artikel gelesen und sich meine Rübe gemerkt? „Fast!“, grinse ich und will meine Fan-Geschichte vorerst noch nicht preisgeben. Das Aufnahmegerät ist bereit, die Garderobe des genialen Wortschöpfers ruhig genug für die so lange ersehnten Gesprächsminuten.

Wir lachen beide, als ich Thomas erzähle, dass er 1988 partout nicht mit mir und ‚aus Prinzip net mit Uniformen‘ reden wollte. Er sei ja auch beim österreichischen Bundeswehr gewesen, erklärt er altersmilde, und nach dieser Zeit etwas allergisch auf jegliches Militär. Entspannt schauen zwei Veteranen in die Linse.

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Eines muss ich noch loswerden: „Dass ich schreibe, Spass daran habe Gags zu basteln und mit Sprache zu spielen, daran sind in erster Linie der Lindenberg und Du schuld!“ Er lächelt und verweist seinerseits auf Udo: „Bei mir woas jo a der Lindenberg. Der hat Haltung g’habt, Aussage mit Humor und alles. Das hat mi berührt, und inspiriert damals.“ Das stimmt natürlich, Lindenberg sprach in den 70ern als Erster in seinen Liedern wie die Leute auf der Straße. Er goß Alltagsdeutsch in Songtexte. Aber Spitzer ist für mich noch mehr: „Du hast aber dazu grandios mit den Worten gespielt, zusammengelötet, dass es passt, immer im Flow gereimt, aber ganz wild: Mundart, dann auf englisch auf hochdeutsch oder sogar italienisch, das ist sensationell, schon immer!“ „Dankeschön“, lächelt Spitzer und ich bin glücklich, nun zum Finale ihm das sagen zu können. Eine allerletzte Fanhuldigung: „…und danke für jeden einzelnen Furzwitz, ich habe sie alle genossen, der EAV Flatulenzhumor war und ist genial.“ Lachend verlassen wir die Garderobe und treffen im Gang wieder auf Klaus Eberhartinger, der wie jedes mal mich, den Interviewer liebevoll fragend anschaut… „Alles in Ordnung? Hobt’s olles?!“

„Ja Klaus, ALLES gut, DANKE!!!“

 

 

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