Heinz Rudolf Kunze – singend schon Sechzig

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60, der Heinz? Mann, Mann wie die Zeit vergeht. Kunze ist neben BAP-Chef Niedecken eine weitere Konstante in meiner Arbeit mit Musik fürs Radio. Mein erstes echtes Interview mit Mikrofon habe ich Ende 1986 zu seiner zweiten großen Tournee mit der ‚Wunderkinder‘-Platte führen dürfen. Viele Begegnungen folgten. In der Saarbrücker Eishalle am Ludwigspark (auch da gab es ab und an Konzerte) traf ich einen müden Künstler nach dem Soundcheck. Seine Gesichtszüge hellten sich auf, als er mein Les Misérables T-Shirt sah. Den Musicalwelterfolg hatte er ins Deutsche übersetzt, aber wurde dennoch meist mit Namensvetter Michael Kunze verwechselt. Ich wusste natürlich bescheid, Kunze lächelte. Vor einigen Jahren habe ich Heinz erzählt, wie er sich durch mein Interviewerleben zieht und dass er und Kollege Niedecken nach wie vor die roten Fäden meines Tuns wären. Der Songpoet, dem überschwängliche Reaktionen fremd sind, grinste  und erwiderte knapp: „Das ist ja schön, dass ich als Talisman tauge“!

Zu seinem Runden das Portrait für zwei Songlängen: Jedem Sänger die richtige Schublade, so ist das hierzulande. HRK, diese Abkürzung steht auf Schnellhefter ‚singender Deutschlehrer‘ – was dem Heinz den Blutdruck immer noch leicht ansteigen lässt, weil er nie wirklich Lehrer war: „Ich bin direkt nach dem Examen verschwunden, und wäre mir nicht die Musik – Gott sei Dank – passiert und in die Quere gekommen, dann wäre ich zurück zur Uni gegangen und hätte versucht bei meinem Professor eine Assistentenstelle zu bekommen und letzten Endes dann auch Germanist und Literaturwissenschaftler zu werden und zu bleiben.“
‚Brille‘ hat sich in der Musikszene durchgebissen, sich Ray Ban mit Gleitsicht bestellt, als die sonst nur als Sonnenbrillen zu haben waren. Ein Dichter und Denker, ein Songpoet ist aus ihm geworden, der im Interview stets druckreif spricht und immer noch staunt, wie das mit dem Rockstar hingehauen hat: „Als ich begann war ich ein schüchterner lupenreiner Amateur fast ohne musikalisches Vorleben und habe versucht auf den ersten zwei, drei Platten eine eigenartige Mischung zu machen, einen Spagat eigentlich hinzukriegen zwischen Liedermacherei auf der einen Seite und Neuer Deutscher Welle auf der anderen Seite. Das hat sich dann im Lauf der Jahre durch den Eintritt von Heiner Lürig in meine Band begradigt zu einer Art von Deutschrock würd ich sagen. Und dann habe ich in den Jahren mit jeder musikalischen Popularstilrichtung gespielt, die es seit Billy Haley gegeben hat.“
Musikdozent war er bisweilen, und damit doch irgendwie Lehrer. Im Radio überrascht Kunze als Experte mit einem enormen Repertoire aller Stile, denn er hat Ordnung in seinen über 30.000 Platten daheim, die einiges an Platz brauchen: „Erstens habe ich ein sehr großes Arbeitszimmer, ein richtiges Maleratelier, und dann wuchert es in den Flur des ersten Stocks über, es wird halt nicht weniger.“ Seine eigenen Tonträger nehmen mittlerweile auch mächtig Raum ein.
Kunze kann bissig und böse sein, politisch und poetisch, sanft und schnulzig. Ohrwürmer komponiert er längst auch selber und begeistert mit Band oder allein an der Gitarre oder dem Klavier. Mit 60 ist er gelassen genug, nicht mehr in erster Linie nach der Hitparade zu schielen: „Wenn man so lange dabei ist, dann ist das eine Achterbahnfahrt und die kann nicht 30 Jahre lang immer nur bergauf gehen. Außer Grönemeyer können das alle unterschreiben. Zum anderen gibt es ganze Perioden wo eine gesamte Zunft im engeren Sinne sehr verunsichert war. Ich denke so an die Hochzeit von Techno, als wir alle das Gefühl hatten, vielleicht kommt Musik bald völlig ohne Sprache aus und wir sind überflüssig.“ Putzig im Rückblick zu sehen, worüber die Szene sich bisweilen einen Kopp gemacht hat. ‚Glaubt keinem Sänger‘ hat Heinz mal getextet, es aber nicht so gemeint, denn das Maul aufmachen mit Melodie sei zeitlos, wenn auch bisweilen der Begriff Protestsänger einen schalen Beigeschmack hatte: „Es war natürlich lange Zeit ein Schimpfwort, weil die 68er Generation so sauer auf ihre Helden war, dass sie die Welt mit Musik nicht retten konnten, deshalb wurden sie dann in den 70ern und 80ern als Protestsänger geschmäht. Heute gibt es ein neues Schimpfwort, das heißt ‚Superstar‘, insofern kann man Protest wieder benutzen.“
Recht so…Alles Liebe zum 60. HRK

Ohne Dresscode Lesung im Hundeheim

…da wo die Terrier trainieren, die Retriever rennen und die Boxer bellen. Ohne Dresscode live am Freitag bei Marion im Pfotenhaus, Kirkel Limbach in der Nähe vom Schwimmbad

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Natürlich mit tierischen Geschichten: z.B. wie Peter Maffays Golden Retriever mit abgenagten Sparerips (von Chilli und Salz gesäubert!) beim Mexikaner in Saarbrücken gefüttert wurde. Wolfgang Niedecken ist ein Hundefreund. Auf dem Bild sehen wir aktuell den Tibet Terrier ‚Fussel‘. In den 80ern war die Mischlingsdame Blondie sowas wie das 8. BAP-Mitglied und fast ein Star. Der Mann, der Susi und Strolch sich per Spaghetti hat zum ersten Mal küssen lassen hieß Frank Thomas. Viel zu erzählen…kommenden Freitag 18 Uhr…kommet zuhauf, bringt Eure Vierbeiner mit!

Ungekocht Geniessbar – Saar-Monty Pythons haben und machen Spass

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Da lächeln sie: glücklich, erleichtert und stehend umjubelt nach der Premiere von ‚Lyonerbomber‘. Das Homburger Edenkino bebt. Die Arbeit von Dennis, Julian, Robin und Marcello hat sich gelohnt. Hier im Internet sind sie zu Hause. Die Truppe junger Filme- und Spaßmacher, die noch einen Riesenstab an Freunden, Familie und Gleichgesinnten hinter sich hat. In kurzen Video-Sketchen, bei denen dem Helden Schorsch immer der Filzschnorres wackelt, sammeln sie zehntausende Klicks und Lacher. ‚Ungekocht Geniessbar‘ steht längst für eine neue Generation der Saarcomediens.

Jetzt haben die Buben in ihren Anfang 20ern den ersten Film mit fast 20 Minuten Länge rausgebracht. Zwei der Vier studieren noch – Medien und Informatik – und zwei  Mediengestalter betreiben schon eine kleine Firma. Natürlich wird jetzt geblödelt, dass Hollywood kommen kann. Träume müssen fliegen: was da mit spektakulären Flugbildern, schwebenden Stubbiflaschen und rassigen Blondinen daherkommt, ist mehr als eine filmische Visitenkarte. Es ist vor allem unverhurzter Blödsinn, der enorm Spaß macht. Die 15.000 Euro Produktionskosten haben komplett Sponsoren übernommen, die von der profesionellen Arbeit der youtuber überzeugt waren und sich haben anstecken lassen von der Lust auf Quatsch. Da geht noch was! toitoitoi

jo, de Film gebbt’s hier ach…

Sky du Mont – nicht Jean du Merzac

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Wieder eine Minibegegnung mit einem der tollsten Männer des Landes. Der Beweis für diese Behauptung: die versabberte Studioscheibe, denn die sonst so strenge und beherrschte Kolleginnenwelt ist aus dem Häuschen. Ich bin zehn Minuten allein mit einem fast 70-jährigen Vollgentlement, tiefenentspannt, locker und lustig. Er stöhnt kurz, dass er ja immer heiter sein müsse, sonst würden sie ihn ‚arrogantes Arschloch‘ nennen. Aber gleich grinst er wieder und freut sich, dass eine Spiegelreflexkamera aufgefahren wurde: „Ich mach ja gerne Selfies mit dem Smartphone, aber bei der Hälfte ruft der Knipser, ‚oh unscharf können wir noch mal’…“

Zwei spaßige Infos  von ‚Hinter-den-Kulissen: Die Bullyparade (Start 2017) sei so geheim, dass er gar nix sagen dürfe, da habe er unterschrieben. Glaube ich sofort. Michael Herbig ist bekannt für strengste Geheimhaltung, ein Regisseur und Autor, der Manuskripte mit Kurier und Koffer am Handgelenk festgekettet auf die Minute terminiert übergeben lässt.

Stanley Kubrick sei da ähnlich legt DuMont nach, bei Eyes Wide Shut in London (internationales Kino mit Nicole Kidman und Tom Cruise) habe der seinen Schauspielern auch nur immer die eine Seite mit dem Text des Tages ausgehändigt. Auf die Frage eines Kollegen, wo der Rest des Drehbuchs sei, meinte der Altmeister: „Wo ist ihre Frau gerade?“ – „In New York!“ – „Wissen Sie was die gerade macht?“ – „Äh nein!“ – „Sehen Sie, man muss auch nicht wissen, was im Film die anderen machen.“

Mikro auf: zwei kleine Runden, keine sechs Minuten über ein äußerst erfolgreiches Künstlerleben  … dann muss er nach Straßburg, demnächst in die Kinoversion der Bullyparade und hoffentlich bald wieder in einen Otto-Film. Jean du Merzac ist ein fulminanter Rollenname, von einem der wunderbar über sich lachen kann.